Heute ist ein guter Tag für die Bildende Kunst in Freiburg. Mit dem Doppelhaushalt haben wir als Gemeinderat – und da hat die Kulturliste sehr beharrlich geschoben – endlich einen Systemwechsel eingeleitet: Weg von einem Ausstellen auf Finanzierungsbasis ‘Ruhm und Ehre’, hin zu: ‚Künstlerische Arbeit muss bezahlt werden.‘
Dass wir ab 2026 jährlich 50.000 Euro dafür im Haushalt haben, ist ein Meilenstein, den wir uns gemeinsam auf die Fahnen schreiben können. Dafür danke ich den unterstützenden Fraktionen, sowie allen, die heute zustimmen werden. Ebenfalls ein großer Dank an das Kulturamt für die schnelle Erarbeitung der Vorlage.
Aber – und das gehört zur Ehrlichkeit dazu – diese Vorlage bildet den Aufschlag für das Förderprinzip „Ausstellungshonorare“, nicht die letzte Fassung.


Folgende Kritikpunkte:
Erstens: Die Höhe der Honorare. Schauen wir uns den Regelfall an: Bei einer typischen Ausstellung mit zwei oder drei Beteiligten fließen laut Tabelle 420 Euro pro Person. Das ist besser als nichts, ja. Aber machen wir uns nichts vor: Wer eine Ausstellung professionell vorbereitet, Werke transportiert und tagelang aufbaut, für den sind 420 Euro keine ‚Bezahlung‘, sondern eher eine Anerkennung. Man merkt der Tabelle leider an, wie sie entstanden ist: Man hat offenbar eine fixe Summe pro ‚Förderprojekt‘ genommen – 1.260 Euro – und einfach durch die Anzahl der beteiligten Köpfe geteilt. Das ist Haushalts-Mathematik. Unser Ziel als Kulturpolitik muss es aber sein, Bedarfs-Mathematik zu betreiben.
Zweitens: Die Beteiligung. In Freiburg haben wir die gute Tradition, solche Konzepte mit der Szene zu entwickeln. Uns erreichen Signale, dass Verbände wie der BBK hier kaum eingebunden waren. Das erklärt vielleicht auch die nicht sonderlich praxisnahe Deckelung auf maximal vier Ausstellungen pro Haus. Das darf nicht dazu führen, dass wir eine ‚Zweiklassengesellschaft‘ in derselben Galerie bekommen: Die Ausstellenden im Frühjahr erhalten ein Honorar, die im Winter gehen leer aus, weil das Kontingent weg ist.


Unser Fazit: Wir stimmen der Vorlage heute aus voller Überzeugung zu, damit das Geld 2026 fließen kann. Aber wir verknüpfen das mit einer klaren Erwartung an das Kulturamt: Betrachten Sie 2026 als Pilotphase.
Wir erwarten eine ehrliche Evaluation nach einem Jahr: Reicht das Budget? Ist die Deckelung fair? Und wenn wir sehen, dass die 50.000 Euro nicht reichen, um faire Standards zu halten, dann müssen wir im nächsten Haushalt nachlegen. Und auch die Morat-Halle Nord muss mittelfristig ein eigenes Budget erhalten.

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