Im Gemeinderat wurde heute über neue Vergabemodalitäten für die Musikförderung im Bereich Rock-Pop-Jazz abgestimmt, nachdem das Fördervolumen von 14.000 € auf 40.000 € durch unser Wirken im letzten Haushalt erhöht wurde. Diese Aufstockung ist ein wichtiges Signal – und wir begrüßen ausdrücklich, dass die Stadt die Musikszene stärker unterstützen will. Gleichzeitig sehen wir in den beschlossenen Kriterien zwei zentrale Punkte, die als Weichenstellungen für die aktuelle Musikszene fehlen und aus unserer Sicht unbedingt hätten berücksichtigt werden sollen.

1) Produktionsförderung als zeitgemäße Grundlage künstlerischer Arbeit: Gerade heute sind Produktionen häufig der Kern des künstlerischen Schaffens: Sie sind Ausgangspunkt für Veröffentlichungen, professionelles Wachstum und oft auch Voraussetzung dafür, überhaupt Live-Auftritte, Tourneen oder nachhaltige Vermarktung realisieren zu können. Wenn Produktionen in dieser Situation nicht förderfähig sind, entsteht in der Szene der Eindruck, dass zentrale Arbeitsrealitäten nicht ausreichend mitgedacht werden. Andere Städte wie Stuttgart, Köln und München zeigen seit Längerem, dass eine gezielte Produktionsförderung die Szene künstlerisch, strukturell und wirtschaftlich stärken kann. Die Sorge, dass dadurch automatisch weitere Musikbereiche eine Produktionsförderung einfordern müssten, halten wir für wenig stichhaltig: Arbeitsweisen und Produktionslogiken unterscheiden sich je nach Genre erheblich – etwa zwischen Popmusik und klassischer Musik.

2) Verbindliche Förderung von FLINTA*-Künstler:innen in Form einer 50% Quote, statt unverbindlicher Absichtserklärungen: Stuttgart setzt mit einem eigenen Förderprogramm für FLINTA*-Künstler:innen (Frauen, Lesben, Inter*, Non-binary, Trans- und Agender-Personen) gezielt Impulse. In den heute beschlossenen Vergabemodalitäten wird zwar ein „guter Wille“ zur Unterstützung von FLINTA*-Künstler:innen formuliert – doch aus Erfahrung wissen wir, dass freiwillige Absichtserklärungen allein selten zu messbaren Ergebnissen führen. Aktuelle Zahlen der Künstlersozialkasse weisen im Bereich Musik einen Gender Pay Gap von 27 % aus – in einem Berufsfeld, das ohnehin häufig von prekären Arbeitsbedingungen geprägt ist. Gerade im Vorfeld des Internationalen Frauentags ist es deshalb enttäuschend, dass keine verbindlicheren Maßnahmen zur Gleichstellung beschlossen wurden.

Wir wünschen uns, dass die Stadt die Aufstockung der Mittel als Startpunkt versteht – und die Förderrichtlinien zeitnah weiterentwickelt. Produktionsförderung und verbindliche, nachvollziehbare Maßnahmen zur Gleichstellung würden nicht nur der Szene helfen, sondern auch die kulturpolitische Zielsetzung der Förderung klarer und wirksamer machen.

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