Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Martin Horn,

In Zusammenarbeit mit dem Migrant:innenbeirat stellt uns der aktuelle Schulentwicklungsbericht, auf das Thema Inklusion bezogen, vor einige komplexe Fragen. Die immer weiter steigende Zahl an Schüler:innen mit einem Förderbedarf ist nicht allein auf die steigenden Schüler:innenzahlen allgemein zurückzuführen. Das 62 % der Schüler:innen auf einem SBBZ einen Migrationshintergrund haben oder aus benachteiligten Verhältnissen stammen, kann ebenfalls nicht einfach hingenommen werden. Der Verdacht, dass „Etikettierung“ ein Grund für den Anstieg bei sonderpädagogischen Diagnosen ist, wird durch eine aktuelle Studie vom Mai 2024 aus NRW belegt: 

https://www.news4teachers.de/2024/05/mogelpackung-inklusion-gutachten-deckt-auf-warum-es-immer-mehr-kinder-mit-dem-stempel-foerderbeduerftig-gibt

https://www.schulministerium.nrw/system/files/media/document/file/langfassung_wissenschaftlicher_pruefauftrag_sonderpaedagogische_foerderung.pdf

Dort werden erschreckende Zusammenhänge offenbar, die sicherlich kein bundeslandspezifisches Problem darstellen, da sich die Situation in Baden-Württemberg ebenso problematisch darstellt. Hoher Druck auf Lehrpersonal und Infrastruktur an Regelschulen, hohe Klassenteiler, wenig Zeit für das einzelne Kind etc. Wir möchten Sie daher bitten, folgende Fragen, nach Bedarf auch zusammen mit dem staatlichen Schulamt zu beantworten: 

  • Wie erklären Sie sich die überproportional hohen Zahlen von Kindern mit Migrationshintergrund in SBBZ-Einrichtungen? 
  • Welche konkreten Maßnahmen wurden bisher ergriffen, um der überproportionalen Anzahl von Kindern mit Migrationshintergrund in den SBBZ entgegenzuwirken? 
  • Gibt es bereits Evaluationen oder Fortschrittsberichte, die die Wirkung dieser Maßnahmen analysieren? Wenn ja, welche Erkenntnisse wurden daraus gewonnen? 
  • Welche Maßnahmen sind vorgesehen, um die Inklusionsquote voranzutreiben und die Exklusionsquote zu senken? 
  • Welche Strategien gibt es, um benachteiligten Familien mehr Unterstützung anzubieten, zum Beispiel in Form von Beratungs- undFörderangeboten in den Schulen und Kindertageseinrichtungen? Besteht die Möglichkeit, diese Unterstützung stärker in die Einrichtungen selbst zu integrieren, anstatt auf externe Fördermaßnahmen und Beratungsstellen zu setzen? 
  • Was wird unter Erweiterung der Kapazitäten im Zusammenhang mit den SBBZ GENT verstanden?
Share