Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Horn,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Meder, laut eines Artikels des chilli-Magazins vom 17.04.2026 ist die Zahl der Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, seit dem Jahr 2022 von 1.915 Betroffenen auf voraussichtlich 2.707 im Jahr 2025 gestiegen. In besagtem Artikel wird zudem berichtet, dass die Anzahl der Frauen*, die in der Notunterkunft „Oase“ unterkommen, in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich zugenommen hat. Wohnungslosigkeit findet bei Frauen* sehr häufig im Verborgenen statt, da sie sich zur Vermeidung von Obdachlosigkeit oft in prekäre, riskante Abhängigkeitsbeziehungen begeben. Frauen* mit Behinderungen sind durch ihre intersektionale Betroffenheit statistisch gesehen noch häufiger von Armut und/oder Gewalt betroffen und damit besonders gefährdet. Die Zahlen der Frauenfachberatung und der Notübernachtungen belegen eindrücklich, dass der Druck auf das Unterstützungssystem kontinuierlich wächst. Die Errichtung des Wohngebäudes in der Alice-Salomon-Str. 1 zur Vermittlung wohnungsloser Menschen in eigenen Wohnraum ist ein wichtiger Schritt, wird aber voraussichtlich nicht ausreichen, um die Lage nachhaltig zu entspannen.
Vor diesem Hintergrund bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen:
1. Wie bewertet die Verwaltung den Anstieg der „von Wohnungslosigkeit bedrohten Personen“ auf über 2.700 im Jahr 2025 speziell im Hinblick auf den Anteil von Frauen*?
2. Welche Angebote gibt es für junge Frauen* die von Wohnungslosigkeit bedroht sind?
3. Welche spezifischen Angebote gibt es für Frauen* mit Behinderungen, die von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind? Gibt es Unterkünfte, welche auf spezifische Pflegebedarfe eingehen können und vollumfänglich barrierefrei sind?4. Welche Erkenntnisse liegen zur verdeckten Wohnungslosigkeit von Frauen* vor (z. B.„Couch-Surfing“, prekäre Zweckgemeinschaften), und wie spiegelt sich dies in der aktuellen Zahl der Postersatzadressen wider?
5. Lässt sich eine differenzierte Aussage darüber treffen, in welchen Lebenslagen und Umständen sich die von Wohnungslosigkeit betroffenen und bedrohten Frauen* befinden?
6. Plant die Stadt angesichts der steigenden Zahlen eine Erweiterung der spezifischen Frauen*-Notübernachtungsplätze, um die Überbelegung zu reduzieren?
7. Wie wird vor Ort (insbesondere in gemischt geschlechtlichen Einrichtungen) sichergestellt, dass notwendige Schutzstandards wie Gewaltschutz und die Wahrung der Privatsphäre konsequent eingehalten werden?
8. Laut der Drucksache G-23/180 verweilten 2022 elf Frauen* über drei Monate in der Notübernachtung – oft belastet durch psychische Erkrankungen. Wie viele „Langzeit-Verweilerinnen“gibt es aktuell, und welche gezielten niederschwelligen Angebote werden vor Ort gemacht, um den Umgang mit psychischen Erkrankungen zu unterstützen?
9. Die Verwaltung hat die Wohnungslosigkeit berechtigterweise zum Hauptthema erklärt. Mit welchen konkreten Maßnahmen soll das Ziel, die Verweildauer in Notunterkünften zu senken, angesichts des drastischen Anstiegs der Betroffenenzahlen erreicht werden?
ge
Markus Schillberg
Ramon Kathrein
Kultur/Inklusion
Daniela Ullrich
Lina Wiemer-Cialowicz
Gregor Mohlberg
Eine Stadt für Alle
Clara Wellhäußer
Hannes Wagner
Sophie Schwer
Bündnis 90/Die Grünen
Julia Söhne
Ludwig Striet
SPD-JF
Arno Heger
Klaus Schüle
Katrin Kern
CDU
Felicia Fehlberg
Sophie Kessl
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