Sehr geehrte Stadträt*innen,
vielen Dank für Ihre Anfrage vom 22.07.2025 bzw. Ihren E-Mail-Eingang vom 4.8.2025, die uns zur Beantwortung weitergeleitet wurde.
Der Bedeutung der Museumsnacht als inklusives kulturelles Highlight der Stadt, das ganz unterschiedliche Gruppen verbindet, sind sich die Museen Freiburg sehr bewusst. Umso schwerer fiel die Entscheidung, sie für zwei Jahre auszusetzen. Nach gründlicher Abwägung und intensiver Prüfung ist dieser Schritt aber leider unvermeidlich.
Zu 1. Aufgrund welcher weiteren inhaltlichen und organisatorischen Abwägungen kann die Museumsnacht nicht parallel zu den anderen genannten Events und Projekten stattfinden?
Der Rahmen der Museumsnacht wird von der Abteilung Kommunikation und Vermittlung (KuV) der Museen Freiburg (MF) organisiert. Als Querschnittsabteilung ist die KuV für alle Häuser und Projekte der MF zuständig und damit auch bei den beiden Eröffnungen besonders gefordert. Der größte planerische Aufwand für eine Museumsnacht steht im ersten Quartal an und somit 2025 und 2026 parallel zur Eröffnung des Dokumentationszentrums Nationalsozialismus (DZNS) bzw. des BA III des Augustinermuseums. Obwohl die MF bereits Ausstellungen gestrichen bzw. verschoben haben, reichen die personellen Kapazitäten nicht annähernd für Organisation, Programmgestaltung, Erstellung der Werbemittel und Onlinekommunikation aus.
Leider ist die Großveranstaltung auch finanziell nicht zu stemmen, das erforderliche Budget von 50.000 bis 60.000 Euro steht nach notwendigen internen Mittelumwidmungen im Finanzplan der Museen Freiburg nicht zur Verfügung.
Hinzu kommt, dass dank kontinuierlicher Aufbauarbeit für alle Museen, mit neuen Programmen im DZNS und einer Weiterentwicklung der zielgruppengerechten Kommunikation die Vermittlungsangebote für Kitas und Schulen extrem gut gebucht sind. Weil die Einnahmen aus den Buchungen nicht ins Budget der KuV zurückfließen, gleichzeitig aber freie Mitarbeitende bezahlt werden müssen, ist schon in diesem Jahr mit einem Defizit von ca. 20.000 Euro zu rechnen, welches intern ausgeglichen werden muss. Die Situation wird sich 2026 mit Eröffnung des BA III sicher noch verschärfen.
Zu 2. Aus welchen Mitteln wurde die Museumsnacht in der Vergangenheit finanziert?
- Die Museumsnacht wurde aus Sachmitteln der Museen Freiburg (THH 12) finanziert, das erforderliche Budget war bei der KuV angesiedelt und belief sich auf 50.000 bis 60.000 Euro (s. unter Ziffer 1).
Zu 3. Gab es Gespräche mit externen Partnern und anderen städtischen Stellen, um die finanzielle Unterstützung zu sichern und auszuweiten?
- In der Vergangenheit gab es umfangreiche Versuche, Drittmittel zu akquirieren, der personelle Aufwand stand aber in keinem vertretbaren Verhältnis zum finanziellen Gewinn.
- Aktuell läuft die Sponsor*innensuche für andere Projekte, etwa Raumpatenschaften im Augustinermuseum, auf Hochtouren. Größere regionale Partner*innen können nicht doppelt angefragt werden.
- 2020 war eine Kooperation mit Herzschlag Freiburg UG geplant, die wegen der Pandemie abgesagt werden musste. Sie hätte allerdings keine finanziellen Vorteile gebracht, nur über Sichtbarkeit bei den Partner*innen und deren Beteiligung am Ticketverkauf die Reichweite erhöht.
Zu 4. Wie waren die Bilanzen zu den vergangenen Museumsnächten? Mit welchen kulturellen Einrichtungen, Vereinen und Kollektiven wurde in den vergangenen Jahren kooperiert?
- 2024: ca. 4.100 Besucher*innen
- 2023: ca. 3.800 Besucher*innen
- Die Einnahmen aus den Ticketverkäufen fließen in das Einnahmesoll der Museen Freiburg und können nicht zur Refinanzierung genutzt werden.
- Münsterbauhütte, Kunstverein Freiburg, Planetarium, Uniseum und Fasnetmuseum waren in beiden Jahren als zusätzliche Locations beteiligt, 2023 auch die Stiftungsverwaltung Freiburg.
- 2024 wurden insgesamt 19 Verträge mit freien Künstler*innen, Bands, Vereinen und Kollektiven geschlossen, 2023 waren es 24. Dabei waren unter anderem Capoeira Freiburg, Musikschule Freiburg, TanzLeben Lahr, Akaishi Daiko Freiburg e. V. oder das Heim und Flucht Orchester am Theater Freiburg.
- Als Unterstützung des Museumsteams wurde eine externe Koordinatorin beauftragt und aus oben genannten Sachmitteln finanziert.
Zu 5. Ist es möglich oder geplant die Museumsnacht (ähnlich wie in Basel) stärker institutionell zu verankern, um die Museen selbst zu entlasten?
- Wir haben vor, die Museumsnacht künftig wieder durchzuführen. Sie ist auch für die Freiburger Museen eine wichtige Vernetzung mit der Stadtgesellschaft. Allerdings hängt es auch von den Bedingungen des nächsten Doppelhaushalts ab, inwieweit eine Vernetzung mit anderen Partnern erfolgen kann.
Wir stehen für einen weiteren Austausch gerne zur Verfügung.
Die Geschäftsstellen der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen, Fraktionsgemeinschaften, Gruppierungen und des Einzelstadtrats erhalten Nachricht von diesem Schreiben.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich von Kirchbach Erster Bürgermeister