Sehr geehrter Erster Bürgermeister Herr Ulrich von Kirchbach,
mit Sorge haben wir die Pressemitteilung der Stadt zur Kenntnis genommen, dass die Museumsnacht in Freiburg für das Jahr 2025 und auch 2026 entfallen soll. Diese Entscheidung möchten wir noch besser nachvollziehen können – gerade weil die Museumsnacht ein beliebtes Format mit vielen Potentialen und ein wichtiges, identitätsstiftendes und öffentlich wirksames Event darstellt. Vor diesem Hintergrund bitten wir um eine differenzierte Einschätzung und die Beantwortung folgender Fragen:
- Aufgrund welcher weiteren inhaltlichen und organisatorischen Abwägungen kann die Museumsnacht nicht parallel zu den anderen genannten Events und Projekten stattfinden?
- Aus welchen Mitteln wurde die Museumsnacht in der Vergangenheit finanziert? Gab es Gespräche mit externen Partnern und anderen städtischen Stellen, um die finanzielle Unterstützung zu sichern und auszuweiten?
- Wie waren die Bilanzen zu den vergangenen Museumsnächten? Mit welchen kulturellen Einrichtungen, Vereinen und Kollektiven wurde in den vergangenen Jahren kooperiert?
- Ist es möglich oder geplant die Museumsnacht (ähnlich wie in Basel) stärker institutionell zu verankern, um die Museen selbst zu entlasten?
Begründung:
Wir verstehen, dass sich die verantwortlichen Stellen im vergangenen halben Jahr intensiv auf die Eröffnung des Dokumentationszentrums Nationalsozialismus konzentriert haben und aktuell mit der Fertigstellung des dritten Bauabschnitts im Augustinermuseum befasst sind. Auf das Potential der Museumsnacht sollte trotz allem nicht leichtfertig verzichtet werden, da sie für eine Vernetzung und Sichtbarkeit der Museen sorgt, die andere Events nicht erreichen. So wird das Image der Museen gestärkt, Synergieeffekte zwischen den Häusern, wie auch künstlerische Potentiale durch Kooperationen im Programm ausgeschöpft. Außerdem bietet die Museumsnacht einen niedrigschwelligen Zugang für Menschen, die Museen im Regelbetrieb seltener besuchen. Die Hemmschwelle „hochkulturelle“ Räume zu betreten, wird gesenkt und Kunst der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Kunst ist daher besonders in heutigen Zeiten, in denen autoritäre und rechte Strömungen zunehmen, von essentiellem Wert für die Demokratie. Außerdem bietet die Museumsnacht ein kreatives Labor für neue Formate: Musik, Performance, Lichtinstallationen, digitale Kunst, interaktive Führungen oder Workshops können mit dem musealen Raum in Dialog treten. Sie ermöglicht Experimente und bietet gleichzeitig Künstler:innen und der freien Szene eine Bühne und stärkt Freiburg als Kulturstandort. Und auch Inklusion kann als aktiver Bestandteil des Konzepts den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken.
Wir befürchten, dass durch das Aussetzen der Museumsnacht für zwei Jahre wichtige neue Kommunikations- und Verbindungswege, die über die Museumsnacht hinaus neue Projekte inspirieren können, im Sand verlaufen werden. Gerade mit Blick auf unsere Nachbarstadt Basel kann man sehen, wie die Museumsnacht als inklusives und demokratisches Kulturformat genutzt werden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Markus Schillberg – Kultur/Inklusion
Dr. Wolf-Dieter Winkler – Freiburg Lebenswert
Esther Grunemann – Eine Stadt für Alle