Unser Ziel für Freiburg: Ein Nachtkulturkonzept
Erste Bausteine werden gelegt. Eine Clubstudie ist gut, aber ein Beschluss ist besser. Denn für eine lebendige Stadt brauchen wir Verbindlichkeit ➜ wir brauchen ein Nachtkulturkonzept!
Gemeinsam mit der Fraktion FR4U hat Kultur/Inklusion die erste Freiburger Delegation zur bundesweiten Nachtkulturkonferenz Stadt nach Acht Ende November organisiert. Gemeinderat, Szene und Stadtverwaltung haben dort Informationen getankt und sich mit den Macher*innen der Freiburger Potenzialanalyse ausgetauscht.
Die wichtigste Lektion aus Berlin: Moderne Metropolen verstehen Nachtkultur nicht als Lärmproblem, das man verwaltet, sondern als Standortfaktor, den man aktiv plant. Auch “Städtetag Aktuell” (6/25), das Magazin des Deutschen Städtetages, thematisiert aktuell ausführlich “Nachtökonomie und Nachtkultur”, sowie eine “städtebauliche und planerische Verankerung”.
Die vorliegende Potenzialanalyse für Clubs und Musikspielstätten ist eine hervorragende Grundlage. Aber wir wissen alle: Analysen sind geduldig. Bagger sind schneller.
Warum wir ein rechtsverbindliches Konzept brauchen?
Die am 09.12.2025 aus der Potenzialanalyse beschlossenen Bausteine (Umsetzung der “Schwabentorachse”, Fahnenbergplatz (“Q-Club”), eine Prüfung von RiS 3 als Clubstandort, sowie gewisse Maßnahmen für den kommenden Stadtteil Dietenbach legen hierfür nun die ersten Grundsteine. Ein Anfang ist gemacht. Aber ein Konzept ist das noch nicht. Wir müssen die Analyse scharfstellen und sie mittelfristig zu einem städtebaulichen Entwicklungskonzept erheben. Nur so werden die Bedarfe und Belange der Nachtkultur auch baurechtlich „abwägungsrelevant“ und damit für die Gestaltung unserer Kommune rechtsverbindlich.
Ein Gesamtkonzept Nachtkultur muss in einem weiteren Schritt dann aber mehr als Baurecht und Lärmschutz leisten; es ist eine Querschnittsaufgabe, die auch Nachtsicherheit, Awareness, Gesundheit, Inklusion und Mobilität zukünftig in die Betrachtung und letztlich Steuerung integrieren muss.
Kulturförderung und kulturelle Teilhabe
Die Kulturliste Freiburg setzt sich für eine umfassende Förderung der Kunst- und Kulturszene in Freiburg ein. Dazu gehört die Bereitstellung von mehr Proberäumen, Ateliers und Bühnen für Kunstschaffende, um ihnen langfristig Arbeitsräume zu sichern. Zudem soll der städtische Kulturetat verdoppelt werden, um faire Honorare und eine nachhaltige Förderung von Kulturinitiativen zu gewährleisten. Ein eigenständiges Kulturdezernat soll kulturellen Belangen eine größere politische Sichtbarkeit verleihen, während sich KULT klar gegen Rechtsextremismus und für die Freiheit der Kunst positioniert.
Die Liste Teilhabe und Inklusion legt ihren Fokus darauf, dass alle Menschen unabhängig von ihren körperlichen oder geistigen Fähigkeiten an kulturellen Angeboten teilnehmen können. So fordert sie barrierefreie Zugänge zu Theatern, Museen und weiteren Kultureinrichtungen sowie inklusive Veranstaltungen mit Audiodeskription, Gebärdendolmetschung und Übertitelung. Zusätzlich sollen inklusive Vereine, die barrierefreie kulturelle Angebote schaffen, unbürokratisch gefördert werden. Die Programme von KULT und LTI ergänzen sich hier ideal: Während KULT für eine umfassende Stärkung der Kultur sorgt, setzt sich LTI für deren Zugänglichkeit für alle ein.
Bild (privat): Das ZMF im Sommer 2024
Bildung
Bildung und kulturelle Teilhabe sind zentrale Anliegen, die in Freiburg stärker gefördert werden sollen. Alle Kinder und Jugendlichen sollen unabhängig von ihrer Herkunft oder individuellen Voraussetzungen Zugang zu kulturellen Angeboten erhalten. Dazu gehört, dass Schulen und Kindergärten langfristige Kooperationen mit Künstler:innen und Kultureinrichtungen eingehen, sodass kulturelle Bildung ein fester Bestandteil des Lernalltags wird. Ein städtisches Programm soll zudem sicherstellen, dass Schüler:innen regelmäßig Museen, Theater und andere Kulturorte besuchen können. Ein großes Anliegen ist es auch endlich ein neues Gebäude für die Musikschule zu finden.
Neben der kulturellen Bildung muss auch das Bildungssystem insgesamt inklusiver gestaltet werden. Alle Kinder sollen wohnortnah eine Kita und Schule besuchen können, die barrierefrei und für alle zugänglich ist. Dafür sind bauliche Maßnahmen erforderlich, aber auch eine bessere personelle Ausstattung durch heil- und sonderpädagogische Fachkräfte. Um dem Fachkräftemangel in Bildungseinrichtungen entgegenzuwirken, müssen gezielte Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung von Personal ergriffen werden. Auch Berufsschulen sollen inklusive Ausbildungsprogramme entwickeln, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Auszubildenden eingehen. Bildung und Kultur müssen so gestaltet sein, dass alle Menschen in Freiburg von ihnen profitieren können.
Bild (KI-generiert): Klassenzimmer
Öffentlicher Raum und Mobilität
Der öffentliche Raum soll für alle Menschen frei zugänglich, sicher und lebenswert gestaltet werden. Dazu gehört die Schaffung neuer Freiräume für Kunst, Kultur und soziale Begegnungen. Gleichzeitig müssen Plätze, Straßen und öffentliche Gebäude barrierefrei umgestaltet werden, um eine uneingeschränkte Teilhabe zu ermöglichen. Insbesondere stark frequentierte Orte wie der Münsterplatz oder Bushaltestellen müssen so angepasst werden, dass sie für alle Menschen, unabhängig von Mobilitätseinschränkungen, problemlos nutzbar sind.
Ein wichtiger Schritt ist die Verbesserung der Gehwege, etwa durch die Glättung von Kopfsteinpflaster und die konsequente Ahndung von Falschparken auf Gehwegen. Ebenso muss der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und barrierefrei gestaltet werden, um eine echte Alternative zum Individualverkehr zu bieten. Parkanlagen, Spielplätze und andere Freizeitangebote sollten inklusiv geplant werden, sodass sie für alle Generationen und Bedürfnisse gleichermaßen nutzbar sind. Ein öffentlicher Raum, der kulturelle Entfaltung ermöglicht und niemanden ausschließt, ist ein zentraler Bestandteil einer lebendigen Stadt.
Bild (privat): Bertoldsbrunnen
Arbeit und Kreativwirtschaft
Die Stadt Freiburg soll sich stärker für die Schaffung inklusiver Arbeitsplätze engagieren und Unternehmen ermutigen, Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten einzustellen. Dazu braucht es konkrete Maßnahmen wie die barrierefreie Gestaltung von Arbeitsplätzen, gezielte Förderprogramme für Betriebe und eine Erhöhung der Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderungen in der Stadtverwaltung. Unternehmen sollen bei der Umsetzung inklusiver Einstellungspraktiken unterstützt und Berufsschulen dazu ermutigt werden, Ausbildungsprogramme zu entwickeln, die auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen.
Auch die Kreativwirtschaft und der Kulturbereich sollen in diesem Zusammenhang gestärkt werden. Kulturschaffende brauchen nicht nur faire Bezahlung, sondern auch langfristige Perspektiven und stabile Arbeitsbedingungen. Ein nachhaltiges Konzept zur Förderung der Kulturwirtschaft kann dazu beitragen, kreative Berufe attraktiver zu machen und die Abwanderung von Talenten zu verhindern. So entsteht eine vielfältige, sozial gerechte und wirtschaftlich starke Stadt, in der alle Menschen berufliche Chancen erhalten.
Bild (privat): Konzert im Jazzhaus
Wohnen
Freiburg steht vor einer großen Herausforderung: bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Eine nachhaltige Stadtentwicklung muss daher nicht nur neuen Wohnraum schaffen, sondern ihn auch sozial gerecht und inklusiv gestalten. Um dies zu erreichen, sind eine soziale Mietpreisbindung und eine höhere Sozialwohnungsquote notwendig. Spekulativer Leerstand soll verhindert und städtischer Baugrund bevorzugt an gemeinwohlorientierte Träger vergeben werden. Eine aktive Liegenschaftspolitik kann langfristig bezahlbare Mieten sichern.
Barrierefreies Wohnen soll zum Standard werden, insbesondere durch mehr rollstuhlgerechte Wohnungen und die Förderung inklusiver Wohnprojekte. Neue Stadtteile wie Dietenbach müssen von Anfang an für alle Menschen lebenswert gestaltet werden. Zudem sollte Wohnen mit Kultur verknüpft werden, indem kreative Räume in die Stadtplanung integriert werden. Eine inklusive Quartiersentwicklung, die soziale Gerechtigkeit und kulturelle Vielfalt verbindet, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und macht Freiburg lebenswerter.